Allgemein, Infostandberichte

18. Oktober 2017 – „negative camp“

Uns wird berichtet, dass sich derzeit ungefähr 100 Menschen im Abschiebelager befinden würden. Den meisten davon droht die Abschiebung aufgrund der Dublin III-Verordnung. Ein Geflüchteter scherzt: Wegen der vielen Ablehnungen habe das Lager bei vielen Geflüchteten bereits den Spitznamen „negative camp“ erhalten.

Eine hochschwangere Frau – sie befindet sich im neunten Monat – berichtet uns, dass sie in einem der Container schlafen muss, die auf dem Gelände des Abschiebelagers aufgestellt wurden. Der Container ist sehr schlecht beheizbar, in der Nacht wird es darin kalt. Die Frau muss im Containter schlafen, obwohl die Häuser unmittelbar neben den Containern derzeit fast leer sind, wie uns mehrere Anwesende mitteilen. Offenbar werden die Geflüchteten nach Nationalitäten getrennt untergebracht: Malier_innen schlafen in den Häusern, Äthiopier_innen in den Containern.

Und wieder wird uns über die katastrophalen hygienischen Zustände im Lager berichtet: Die Container der Äthiopier_innen sind in zwei Blocks aufgestellt. In diesen Blocks sind derzeit 70 Personen untergebracht. Am Ende jedes Blocks befinden sich Container mit Sanitäranlagen. Es gibt jeweils zwei Toiletten für Männer und Frauen sowie jeweils drei Duschkabinen. Diese werden zwar jeden Tag gereinigt, doch nur sehr oberflächlich. Die Sanitäranlagen sind deshalb entsprechend verschmutzt.

Uns wird erzählt, dass sich wegen der schlimmen Zustände im Lager vor drei Wochen abseits aller Öffentlichkeit ein spontaner Protest vor dem Abschiebelager formiert hat. Mehrere Personen versuchten so, ihren Unmut über ihre missliche Lage auszudrücken. Der Sicherheitsdienst ging mit Gewalt gegen die Protestierenden vor. Die eintreffende Polizei nahm die Personalien der Protestierenden auf.

Ein Security-Mitarbeiter hat vor Kurzem einem Geflüchteten Gewalt angedroht. Der Betroffene hat nun Angst, dass der Security seine Drohnung in die Tat umsetzt.

Ein Geflüchteter erzählt uns, dass seine Familie sowie einige seiner Freunde bei der Flucht nach Europa im Mittelmeer ertrunken sind. Er selber wurde von einem Schiff gerettet und nach Italien gebracht. Er möchte gerne in Deutschland einen Asylantrag stellen. Er soll jedoch wieder nach Italien abgeschoben werden.