Allgemein, Infostandberichte

08. August 2018 – 1 Jahr, 25x Infostand

Am 1. August 2018 wurde das Transitzentrum offiziell in Ankerzentrum umbenannt. Für uns bleibt der Name gleich: Abschiebelager. Die Geflüchteten berichten, dass sich für sie momentan erst einmal nur der Name geändert hat, dass ansonsten alles gleich geblieben ist.

Seit 2 Wochen ist es ungewöhnlich heiß in Deutschland und Alle klagen über die Hitze. Besonders unerträglich ist es jedoch für die, die in Containern leben müssen. Die Geflüchteten aus der Zeißstraße, die in Containern leben müssen, berichten uns heute von unerträglicher Hitze. Auch nachts gibt es dort keine Abkühlung. Es ist bekannt, dass Container schlecht isoliert sind. Umso skandalöser ist es deshalb, dass sich kein Verantwortlicher aus dem Ankerzentrum darum kümmert Abhilfe gegen diese Hitze zu schaffen. Den Geflüchteten ist es unverständlich, warum es keine Klimanlage und Kühlschränke gibt. Zu der mangelnden Isolierung von Containern kommt noch hinzu, dass dort auf engstem Raum sehr viele Menschen zusammen leben müssen.

Es wird uns berichtet, dass schwangere Frauen und Frauen mit kleinen Kindern für 2 bis 3 Wochen in die Bajuwarenstraße gewechselt haben – ob dies in Zusammenhang mit der Hitze steht, wissen sie nicht. Weiter wird uns berichtet, dass der Internetzugang in den hinteren Gebäuden seit 2 Wochen nicht funktioniert. Es kommen einige neu angekommene Menschen zum Infostand, denen wir allgemeine Informationen geben und die über die Situation in Äthiopien und verschiedenen europäischen Ländern berichten. Vereinzelt gibt es große Probleme mit Arztterminen im Abschiebelager. So hätte zum Beispiel eine Frau noch vor ihrem Interviewtermin einen Termin beim Gynäkologen gebraucht. Dringlich hat sie keinen Termin bekommen, dann wurde ihr ein Termin einen Tag vor dem Interview zugeteilt. Als der Tag aber da war, hat sich herausgestellt, dass ihr Name versehentlich falsch eingetragen worden war (kein Fehler ihrerseits!) und sie deshalb wieder nicht drangenommen wurde. Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass ein Attest auch nichts an der Ablehnung ihres Asylantrages geändert hätte. Es bleibt aber die Frage offen, was geschehen wäre, wenn das Attest doch entscheidend gewesen wäre? Wie kann es sein, dass Menschen nicht rechtzeitig den Zugang zu Ärzt_innen bekommen, deren Einschätzung eventuell für das Asylverfahren ausschlaggebend sind?

Die bewusst zermürbende Strategie der Regierung im Abschiebelager bringt Menschen dazu zurückzukehren, obwohl sie wissen, dass sie in ihrem Herkunftsland nicht sicher sind. So erzählt uns heute ein Geflüchteter: “ Ich werde zurückgehen. Lieber werde ich zurückgehen und umgebracht werden oder ins Gefängnis kommen als hier ins diesem Lager zu bleiben.“