Allgemein, Infostandberichte

05. September 2018 – Jobs im Lager

Nach wie vor werden die Geflüchteten im Ankerzentrum nicht informiert. So sprechen wir heute am Infostand über Ankerzentren, bis ein Geflüchteter fragt, wo eigentlich diese Ankerzentren seien. Den Menschen wird also nicht einmal mitgeteilt, wo sie sich befinden. Auch hören sie immer wieder, dass wahrscheinlich die Menschen aus Moldawien verlegt werden sollen und andere kommen sollen – aber was genau ansteht, erfährt niemand.

Informiert wurden sie hingegen darüber, dass ab Oktober das monatliche Bargeld von 161 € auf 102 € reduziert wird. Der reduzierte Betrag wird dann als Sachleistung in Form von Gutscheinen für Bustickets, Kleidung und Schuhe ausgegeben. Bekannt ist auch, dass die Geflüchteten des Ankerzentrums keine Arbeitsgenehmigungen außerhalb des Lagers erhalten. Arbeiten innerhalb des Lagers werden ihnen perfiderweise zur „Tagesstrukturierung“ genehmigt. So berichtet uns ein Geflüchteter, dass er für seinen Job bei der Essensausgabe 0,80 € pro Stunde erhält. Er darf höchstens 3 Stunden pro Tag arbeiten und als Maximum in der Woche 16,80 € „verdienen“. Andere Jobs im Lager sind Putzarbeiten, Hausmeistertätigkeiten und Übersetzen – alle bekommen denselben „Verdienst“.

Dass Menschen, denen jegliche Betätigungsmöglichkeit genommen wird und die auf jeden Cent Geld angewiesen sind, diese Angebote annehmen, ist nicht verwunderlich. Verwunderlich ist aber, dass dies in Deutschland, in dem alles geregelt ist und in dem es einen Mindestlohn von aktuell 8,84 €/Stunde gibt, von der Gesellschaft schweigend hingenommen und dadurch befürwortet wird.