Allgemein, Infostandberichte

06. März 2019 – „Anker in ruhigem Fahrwasser“

So lautet der Titel eines doppelseitigen MZ Artikels vom 25.2.2019. Ein aus unserer Sicht und der der Betroffenen sarkastischer Titel. Im Bericht selbst wird schnell klar, dass es in ihm nur um die Sichtweisen der dort Angestellten geht. Geflüchtete selbst kommen nicht zu Wort – sie wurden nicht gefragt. Ebenso wenig auch nur eine der unzähligen Organisationen und Bündnisse, welche die Abschiebelager auch jetzt immer noch kritisieren.

Es verwundert also nicht, dass es im Bericht um den Werdegang einer Ombudsfrau geht und eben nicht um die beschwerlichen Wege der Bewohner und Bewohnerinnen nach Deutschland. Es verwundert auch nicht, dass die Ursachen für Konflikte im Lager in den als defizitär identifizierten Geflüchteten gesucht werden, weil diese etwa nicht wüssten was Gesetze seien – und eben nicht in der Totalität eines Abschiebelagers. Und es verwundert nicht, dass es alles so toll ist dort im „Ankerzentrum“, denn  die Interviewpartner*innen gehen ja nach Feierabend nach Hause – in die eigene Wohnung.

Die Doppelseite der Mittelbayerischen Zeitung zeigt ein weiteres Mal deutlich, wieso wir nicht aufhören werden mit dem was wir tun – uns mit den Betroffenen auszutauschen und deren Isolation zu durchbrechen. Die Tatsache, dass es hier kein einziges Wort eines geflüchteten Menschen in die Berichterstattung geschafft hat, zeigt die Tragweite dieser Isolation.

Auch heute – wie jedes Mal, wenn wir vor dem Lager stehen – treffen wir Menschen für die rein gar nichts in ruhigem Fahrwasser liegt. Es sind dieses Mal sehr viele Menschen am Infostand, um ihrem Ärger, ihrer Wut, ihrer Verzweiflung, aber auch ihrer Verwunderung über die Situation im Abschiebelager Luft zu machen. „Was ist los hier in Deutschland?“ Kein Mensch kann sich vorstellen, dass er*sie in Europa, in Deutschland so behandelt wird, wie es das System Ankerzentrum vorsieht. Sie berichten davon, wie hochschwangere Frauen unter Gewaltanwendung zur Abschiebung abgeholt werden, wie die Polizei weiterhin mit Hunden zu nächtlichen Abschiebungen kommt. Sie berichten davon, dass Menschen mit ihnen im Lager leben, die im Winter aus Angst vor ihrer Abschiebung aus dem Fenster vom 1. Stock gesprungen sind und seitdem an den Beinen verletzt sind. Ein Geflüchteter fragt uns: „Die Deutschen sagen, sie lieben Kinder, aber warum kommen sie mitten in der Nacht mit Hunden zu unseren Kindern? Sind unsere Kinder keine Menschen? Sind wir Tiere?“.

Ein wichtiges Thema ist heute auch eine neue Verschärfung. Wir haben darüber berichtet, dass Dublinabschiebungen inzwischen angekündigt werden. Und dass im Fall von Nichtanwesenheit die sogenannte Dublinfrist auf 18 Monate verlängert wird. Zudem wird angekündigt, dass Geldleistungen in aller Regel nicht mehr erbracht werden. Das erleben jetzt die ersten Menschen: Sie erhalten für 15 Tage 3€ Bargeld! Aber auch Sachleistungen wie z.B. das Busticket werden ihnen scheinbar verwehrt. Die repressive Maschinerie versucht mit allen Mitteln Menschen zu ihrer eigenen Abschiebung zu treiben.

Die MZ schreibt in ihrem Untertitel, dass „die laute Kritik am Konzept verstummt sei“. Helft mit, dass die Kritik so laut wird, dass niemand sie überhören und ignorieren kann! Schluss mit dem Winterschlaf und raus auf die Straßen!

P.s.: Hier gibt es eine Übersicht zu Abschiebungen aus Deutschland 2018

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