Allgemein, Infostandberichte

30. April 2019 – Abschiebungen werden immer gnadenloser

Heute kontaktierten uns wütende und geschockte Geflüchtete vom Abschiebelager. Sie sind viel gewohnt, was Abschiebungen anbelangt. Heute morgen war wieder einmal ein Großeinsatz der Polizei – von Hunden unterstützt. Es sollte die Abschiebung eines Mannes nach Italien durchgeführt werden. Der Mann lebt mit Frau und 2 Kindern im Ankerzentrum. Es verwundert also nicht, dass er und seine Frau alles versucht haben, diese getrennte Abschiebung zu verhindern. Obwohl es bei Abschiebungen immer wieder zu Familientrennungen kommt, waren sie im Ankerzentrum in Regensburg bisher eher die Ausnahme. Somit ist auch in Regensburg das letzte Minimum an Menschlichkeit über Bord geworfen.

Geflüchtete haben uns berichtet, dass es zu dramatischen Szenen kam. Die Frau hat sich scheinbar vor das Auto gelegt, um die Abschiebung ihres Mannes zu verhindern. Aber sie wurde sehr brutal von der Polizei entfernt und geschlagen. Geflüchtete, die diese Abschiebung, die Trennung der Familie und das Handeln der Polizei, beobachtet haben, waren sehr wütend und zeigten ihre Solidarität mit der Familie. Anscheinend konnte sich der Betroffene am Flughafen erfolgreich gegen seine Abschiebung zur Wehr setzen, da uns Geflüchtete berichtet haben, dass die Abschiebung letztendlich nicht stattgefunden habe.

Die Mittelbayerische Zeitung hat in einem kurzen Artikel von der Abschiebung berichtet. Dabei wird nicht erwähnt, dass der Mann von seiner Familie getrennt werden sollte. Der Artikel klingt wie von einem Polizeibericht übernommen – ohne die geringste Empathie für die betroffene Familie und die Auswirkungen der Abschiebung. Der Mann habe sich „in außergewöhnlicher Art und Weise unter Mitwirkung seiner Frau und Kinder der Abschiebung widersetzt.“ Wir fragen uns, was noch alles noch passieren muss, bis auch die Presse anfängt kritische Fragen zu stellen und ihrer Aufgabe der Berichterstattung nachkommt.

Wir fragen uns: Was ist daran außergewöhnlich, dass eine Familie bis aufs Letzte darum kämpft nicht auseinandergerissen zu werden?

Was ist daran außergewöhnlich, sich gegen eine Abschiebung nach Italien, also ein Leben auf der Straße, zu wehren?

Und wie gut ist es, dass es zu Solidaritätsaktionen anderer Geflüchteten gekommen ist.

Wo ist unsere Solidarität? Wo ist die Solidarität der Menschen, die sicher in Regensburg leben können?

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