Allgemein, Infostandberichte

14. August 2019 – Fast jede Nacht werden Menschen abgeholt

Heute wurde uns berichtet, dass die Abschiebemaschinerie wieder voll im Gange ist. Täglich komme die Polizei – meist mit 2 Autos – und hole Menschen ab. Alle die, welche unsere Berichte regelmäßig verfolgen, wissen, dass wir uns an dieser Stelle wiederholen. Aber es ist wie es ist: die Menschen im Abschiebelager leben in allgegenwärtiger Angst vor der Abholung.

Abends, während der Rest der Stadt den Tag ausklingen lässt – die lauen Sommerabende an der Donau, in der Kneipe oder am Bismarckplatz verbringt, steigt im Lager die Anspannung. Denn es ist vor allem nachts, wo Menschen abgeholt werden. Wann genau, ist nicht klar. Es kann eins, drei oder acht Uhr morgens sein. An Schlaf ist kaum zu denken. Uns wird berichtet, dass viele Menschen kaum oder gar nicht schlafen. Zu groß ist die Angst. Nacht um Nacht fahren die Polizeiwägen vor. Die Beamt*innen steigen aus und begeben sich zur Pforte. Nach einem kurzen Stopp dort, wo ihnen bereitwillig mitgeteilt wird, wo die Abzuholenden zu finden sind, gehen sie, um diese zu holen. Menschen packen, Menschen werden zu den Polizeiwägen abgeführt, Autotüren fallen zu, Autos fahren weg. Stille.

Still ist es oft auch am Infostand heute. Die Schilderungen über die derzeitige Situation im Lager, lassen uns ebenso sprachlos, wie die Geschichte eines kürzlich nach Regensburg Gekommenen. Er ist schon seit er 16 Jahre alt ist auf der Flucht. Er erzählt uns von seinem Herkunftsland, den Terror dort und warum er flüchten musste. Er erzählt uns von Lybien, als er dort gefangen gehalten wurde. Seine Familie musste Geld bezahlen damit er schließlich weiter durfte. Er erzählt von der Überfahrt über das Mittelmeer. Wie er und viele andere in einem überfüllten Boot tagelang ohne Wasser und Essen ausharren mussten.

Er sagt, er wohnt nun schon seit ein paar Jahren in Deutschland. Er habe bereits ein Praktikum in einem Supermarkt gemacht. Acht Monate habe er dort ohne Lohn gearbeitet, bis ihm ein Ausbildungsplatz angeboten wurde. Mit dem Ausbildungsvertrag ging er zur Ausländerbehörde um sich die Genehmigung zu holen. Doch er wurde abgelehnt. Tag für Tag erschien er dort, immer früh morgens. Vielleicht, dachte er sich, wenn er jeden Tag hingehe, werden sie einmal ja sagen. Doch daraus wurde nichts. Schließlich entschloss sich weiter nach Schweden zu gehen. Dort war er nur wenige Monate, bevor er aufgrund der Dublinverordnung wieder nach Deutschland gebracht wurde. Nun ist er wieder hier. Lebt mit zahllosen Menschen auf engstem Raum und ist zum Warten verurteilt.

Später sprachen wir noch mit anderen Menschen. Sie sind auch relativ neu im Lager in Regensburg und wir konnten ihnen einige allgemeine Fragen beantworten. Das Gespräch wurde schließlich tiefer und wir redeten über die sogenannte „freiwillige Rückreise“. Das Wort „freiwillig“ ist unserer Meinung nach, ein Schlag in das Gesicht aller davon betroffenen Menschen. Wie kann von freiem Willen die Rede sein, wenn den Menschen letztendlich keine Wahl gelassen wird? Sie können lediglich entscheiden, ob sie ohne direkte Gewalt, also Polizei oder ohne gehen wollen. Eine freie Wahl oder Selbstbestimmung ist in der bis ins letzte Detail und mit aller deutschen Gründlichkeit kontrollierten Migrationspolitik Deutschlands für Geflüchtete nicht vorgesehen.

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