Ankerzentren

[english below]

Seit dem 1. August 2018 gibt es in Bayern 7 Ankerzentren: Regensburg, Deggendorf, Manching, Bamberg, Schweinfurt, Zirndorf, Donauwörth.

AnkER steht für Ankunft, Entscheidung und Rückführung. Es ist die Weiterentwicklung von einem geschlossenen Lagersystem für Geflüchtete, das 2015 mit der Schaffung von ARE (Ankunfts- und Rückführungseinrichtungen) für Menschen aus zu „sicheren Herkunftsstaaten“* erklärten Ländern seinen Anfang genommen hatte. Diese wurden vor einem Jahr durch die sogenannten Transitzentren abgelöst. In den Transitzentren wurden alle Menschen aus Ländern mit „geringer Bleibeperspektive“, also mit einer Anerkennungsquote unter 50 %, zwangsweise kaserniert.

Ab sofort müssen alle neu ankommenden Geflüchteten unabhängig von ihrem Herkunftsland ins Ankerzentrum. Dort wurden die bestehenden Strukturen der Transitzentren übernommen und weiterentwickelt:

So erfolgt die Durchführung des gesamten Asylverfahrens im Ankerzentrum – von der Antragsstellung bis zur Asylentscheidung, einschließlich Rückkehrberatung, freiwilliger Rückkehr oder Rückführung. Alle am Asylverfahren beteiligten Behörden auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene, d.h. insbesondere BAMF, Bundesagentur für Arbeit, Aufnahmeeinrichtungen der Länder, Ausländerbehörden und Jugendämter sind im Ankerzentrum und arbeiten zusammen. Neu ist, dass auch eine Vertretung des zuständigen Verwaltungsgerichtes im Ankerzentrum eingerichtet werden soll, um die verwaltungsgerichtlichen Eilverfahren weiter zu beschleunigen.

Nachdem das einzige Ziel der Ankerzentren ist, Geflüchtete so schnell wie möglich aus Deutschland abzuschieben, kann mit der Anwesenheit aller Ämter nur Schlimmstes befürchtet werden. Gerade durch die angedachte Zweigstelle des Verwaltungsgerichtes im Ankerzentrum bestehen von unserer Seite erhebliche Zweifel an der Unabhängigkeit zukünftiger Entscheidungen.

Es wurden weitere Regelungen von den Transitzentren übernommen. So finden Schulbesuche nur im Ankerzentrum statt, was für Kinder und Jugendliche eingeschränkten Schulunterricht sowie das Verhindern von Kontaktaufnahme mit Gleichaltrigen bedeutet. Exklusion statt Inklusion. Für Erwachsene gibt es keine Arbeitsgenehmigungen außerhalb des Lagers.

Für neuankommende Geflüchtete führt also kein Weg am Ankerzentrum vorbei. Nur wenn ihr Asylverfahren abgeschlossen und positiv beschieden ist, werden sie in eine GU (Gemeinschaftsunterkunft) verteilt. Zudem heißt es, dass Geflüchtete, die noch keine Antwort auf ihren Asylantrag haben nach 18 Monaten in eine GU umverteilt werden sollen, Familien nach 6 Monaten. Aber diese Regelung gilt nicht für Menschen aus „sicheren Herkunftsländern“ und alle, deren Asylantrag als „offensichtlich unbegründet“ abgelehnt wird. Hinzu kommt, dass schon in Transitzentren einzelne Bereiche einfach als GU deklariert wurden und somit das Recht auf Umverteilung torpediert wurde. Höchstwahrscheinlich wird diese Praxis im Ankerzentrum übernommen.

Duch die für viele Geflüchteten endlose Aufenthaltsdauer im Abschiebelager soll ihnen zusätzlich das Leben schwer gemacht werden und sie sollen zur „freiwilligen Rückkehr“ gebracht werden. In dieselbe Richtung zielt auch die Anweisung, in Ankerzentren Sachleistungen konsequenten Vorrang vor Geldleistungen zu geben. Dies wird neben den alltäglichen Einbußen und der entmündigenden zentralisierten Versorgung dazu führen, dass sich noch weniger Geflüchtete eine anwaltliche Vertretung leisten können. Denn selbst bei größter Sparsamkeit gibt es einfach kein Bargeld, das verwendet werden könnte.

Zu dem geschlossenen Lagersystem gehört auch die ärztliche Versorgung, die das Recht auf freie Ärzt_innenwahl aushebelt. Zudem sollen die in Zweifelsfällen angewandten unsäglichen Altersfeststellungen bei unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten in Zukunft auch in den Ankerzentren stattfinden. Somit müssen auch UMF zur Erstunterbringung und Alterseinschätzung ins Abschiebelager.

Nach Seehofers Vorstellung sollen bundesweit insgesamt 40 Ankerzentren nach bayerischem Modell entstehen. Das Thema wird auch nach den bayerischen Landtagswahlen nicht beendet sein. Auch wir dürfen es nicht beenden, sondern müssen laut und entschlossen zeigen, dass wir weder in Bayern noch anderswo Abschiebelager wollen. Geflüchtete brauchen unsere uneingeschränkte Solidarität. Das Motto „Break the Isolation“ hat hier in Bayern leider neue Bedeutung gewonnen.**

*“Sichere Herkunftsstaaten“: Serbien, Bosnien, Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Ghana, Senegal. Aktuell sollen Algerien, Marokko und Tunesien zusätzlich als „sicher“ eingestuft werden.

** Mit regelmäßigen Infoständen vor dem Abschiebelager in Regensburg versuchen wir diese Isolation zu durchbrechen. Berichte, von dem was uns von Menschen aus dem Lager erzählt wird findet ihr hier.

[english]

As of 1st of August 2018 there are 7 AnkER centers in Bavaria: Regensburg, Deggendorf, Manching, Bamberg, Schweinfurt, Zirndorf, Donauwörth.

AnkER stands for arrival, decision and repatriation. It is the enhancement of a closed camp system for refugees, which began in 2015 with the creation of ARE (arrival and repatriation centers) for people from countries declared as “safe countries of origin” (Serbia, Bosnia, Kosovo, Mazedonia, Montenegro, Ghana, Senegal. Currently there are plans to place Algeria, Marocco und Tunisia in this “safe” category as well). These were replaced a year ago by the so called transit centers. In these all peple with “little perspective of remaining in Germany”, this means that fewer than 50% of people with the same origin receive protection status, were incarcerated.

From now on all newly arriving refugees are first forced into AnkER centers, independently of their origin. There, the existing structures of the transit centers have been kept in place and enhanced:

The entire asylum process takes place within the AnkER centers – from the asylum application to the final decision, including repatriation consultation, voluntary return or repatriation. All agencies involved in the asylum process on a federal, state and communal level (BAMF, federal agency for work, state arrival centers, foreigners offices and youth authorities) are located within the center and all work together. What is new, is that there will also be a representative of the responsible administrative court, so as to further accellerate the administrative court’s rushed processes.

Since the only aim of the AnkER centers is to deport refugees from Germany as fast as possible, the presence of all agencies within the AnkER center can only lead to threaten an even worse situation for refugees. Especially the presence of the administrative court in the center leads us to call into grave doubt the independence of this agency’s future decisions.

Further regulations are being retained from the transit centers. Education takes place only within the centers, which means severely restricted schooling for children and youthes and prevents their contact with peers outside the centers. Exclusion instead of inclusion. For adults there are no working permits outside the camps.

For newly arriving refugees there is no escaping the AnkER centers. Only in case their asylum application reaches a positive conclusion are they redestributed to a GU (communal housing). In addition, although there are regulations that anybody still awaiting a decision after 18 months is to be transferred to a GU (families after 6 months), this regulation does not apply to people from “safe countries of origin” and all people whose application is refuted as “obviously unjustified”. Furthermore, within the transit centers, individual sections were declared Gus, whereby the right to actual transfers was completely nullified. It can be assumed that this practice will be continued in the AnkER centers.

The immeasurable wait within the deportation camps is aimed to making life ubearable for the refugees to induce “voluntary repatriation”. This is also the aim of the directive to consistently give preference to non-cash benefits over cash benefits. Besides forcing people to forfeit every day comforts and the utter incapacitation through this inhibition of personal freedom, the result is that even fewer refugees can find the money for a lawyer. For even living highly sparingly, there is simply not enough cash at their free disposal.

The closed camp system also includes medical care, which violates the right to freely choose a doctor. The despicable methods used to determine the age of unaccompanied underaged refugees (UMF) is also to be applied in the AnkER centers. This forces even UMF into the deportation camps upon arrival until their age has been decided upon.

Seehofer’s vision involves the creation of 40 AnkER centers throughout germany, following the bavarian model. The topic will not be conluded with the bavarian state elections. We to must not conclude it, but must loudly and resolutely resist deportation camps in bavaria and anywhere else. Refugees need our unconditional solidarity. The motto “break the isolation” has gained sad new meaning in bavaria.